E. T. A. Hoffmann

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (* 24. Januar 1776 in Königsberg; † 25. Juni 1822 in Berlin; eigentlich: Ernst Theodor Wilhelm, umbenannt in Anlehnung an den von ihm bewunderten Wolfgang Amadeus Mozart) war ein Schriftsteller der Romantik, Jurist, Komponist, Kapellmeister, Musikkritiker, Zeichner und Karikaturist.

1776 Am 22. Januar in Königsberg geboren

1798 Jurastudium Universität Königsberg

1801 Regierungsassessor in Posen

1802 Strafversetzung nach Plozk

1804 Richter in Warschau

1808 In Bamberg engagiert als Kapellmeister und Theaterarchitekt

1813 Hoffmann verlässt Bamberg

1814 erste Romantische Oper „Undine“ von Hoffmann vollendet, Übersiedlung nach
Berlin, Wiedereintritt in die preußische Justizverwaltung

1815 Ernennung zum Rat am Berliner Kammergericht

1816 Uraufführung der Oper „Undine“ am Schauspielhaus zu Berlin
Dekorationen von Friedrich von Schinkel

1821 Senatsrat beim Apellationsgericht zu Berlin

1822 25. Juni, gestorben in Berlin


Hoffmann gilt als stilbildend bezüglich der Musik-Kritik
und der Psychologisierung der Charaktere in seinen
Erzählungen. Er gehörte außerdem zu den höchsten
Staatsbeamten des preußischen Staates.

In der knappen Zeit von etwa 1813-1822 entsteht sein
literarisches Hauptwerk, das heute fester Bestandteil der
Weltliteratur ist. Eine Auswahl der wichtigsten Werke sind hier aufgeführt:

Der Sandmann
Des Vetters Eckfenster
Der goldene Topf
Die Elixiere des Teufels
Nachtstücke
Die Serapionsbrüder
Fantasiestücke in Callots Manier
Meister Floh
Klein Zaches genannt Zinnober
Prinzessin Brambilla
Kater Murr


E. T. A. Hoffmann

Von Hoffmanns Erzählungen sind noch folgende Handschriften (zum Teil nicht vollständig) erhalten:

Die noch erhaltenen Seiten der Handschrift vom „Meister Floh“ befinden sich unter seiner eigenen Prozessakte im Geheimen Staatsarchiv in Berlin (Faksimile, ICHverlag 2003, Nürnberg).

Die fast vollständig erhaltene Handschrift vom "Der Sandmann" befindet sich im Stiftung Stadtmuseum Berlin (Faksimile, ICHverlag 1998, Nürnberg)

Die Handschrift "Meister Martin" wird in der Staatsbibliothek Bamberg aufbewahrt.


E.T.A. Hoffmann im Spiegel der Zeitgenossen

Julius Eduard Hitzig
Einzelne Züge zur Charakteristik Hoffmanns

Hoffmann war von sehr kleiner Statur, hatte ein gelbliche Gesichtsfarbe, dunkles, beinahe schwarzes Haar, das ihm tief bis in die Stirn gewachsen war, graue Augen, die nichts Besonderes auszeichnete, wenn er ruhig vor sich hin blickte, die aber, wenn er, wie er oft zu tun pflegte, damit blinzelte, einen ungemein listigen Ausdruck annahmen. Die Nase war fein und gebogen, der Mund fest geschlossen.

Sein Anzug war in früheren Zeiten seines Lebens ziemlich elegant, ohne irgend ins Gesuchte zu verfallen. Nur auf den Backenbart hielt er große Stücke und ließ ihn sorgfältig gegen die Mundwinkel hinziehen. Später erregte ihm seine Uniform, in welcher er etwa wie ein französischer oder italienischer General aussah, inniges Wohlgefallen.

In seiner ganzen äußeren Erscheinung fiel am meisten eine außerordentliche Beweglichkeit auf, die auf das Höchste gesteigert wurde, wenn er erzählte. Seine Begrüßungen beim Empfang und Abschied, mit wiederholten ganz kurzen, schnellen Beugungen des Nackens, ohne dass der Kopf sich dabei bewegte, hatten etwas Fratzenhaftes und konnten leicht als Ironie erscheinen, wenn der Eindruck, den die seltsame Gebärde machte, nicht durch sein sehr freundliches Wesen bei solchen Veranlassungen gemildert worden wäre.


Julius Eduard Hitzig
Durchschwärmte Nächte

Am Montage und Donnerstage brachte er die Vormittage in den Sitzungen des Kammergerichts, an den anderen Tagen zu Hause arbeitend, die Nachmittage in der Regel schlafend, im Sommer auch spazieren gehend zu; die Abende und Nächte in dem Weinhause. War er, was häufig, in manchen Perioden täglich geschah, mittags oder abends, oder mittags und abends, in Gesellschaft - denn nicht aus aller Gesellschaft, bloß aus der seiner Freunde und aus den feinen Tees war er geschieden, dagegen unter Männern und bei Trinkgelagen immer ein willkommener Gast - oft abends in zwei Zirkeln, von sieben bis neun und von neun bis zwölf, gewesen, so ging er, es möchte so spät sein, als es wollte, wenn alle anderen sich nach Hause begeben, noch in das Weinhaus, um dort den Morgen zu erwarten.
Früher in seine Wohnung zurückzukehren war ihm nicht gut möglich.

Man denke hierbei aber nicht etwa an einen gemeinen Trinker, der trinkt und trinkt aus Wohlgeschmack, bis er lallt und schläft; gerade das Umgekehrte war Hoffmanns Fall.
Er trank, um sich zu montieren; dazu gehörte anfangs wie er noch kräftig war, weniger,
später natürlich mehr. Aber war er einmal montiert, wie er es nannte, in exotischer Stimmung, die, oft bei einer halben Flasche Wein, auch nur ein gemütlicher Zuhörer
hervorrufen konnte, so gab es nichts Interessanteres als das Feuerwerk von Witz und
Glut der Fantasie, das er dann unaufhaltsam, oft fünf, sechs Stunden vor der entzückten
Umgebung aufsteigen ließ. War aber auch seine Stimmung nicht exaltiert, so war er im Weinhause nie müßig, wie man so viele sitzen sieht, die nichts tun als nippen und gähnen; er schaute vielmehr mit seinen Falkenaugen überall umher. Was er an Lächerlichkeiten, Auffallenheiten, selbst an rührenden Eigenheiten bei den Weingästen bemerkte, wurde ihm zur Studie für seine Werke, oder er warf es mit fertiger Feder auf das Papier, kurz, er sprach selten seine Freunde, ohne daß er ihnen neue und pikante Kuriosa aus dieser seiner Welt zu erzählen wußte.


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