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Brechts Totentanz
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Projekt Brechts Totentanz
Über die Beschäftigung mit Brechts Lyrik fanden die Brüder Häfner zum Projekt „Brechts Totentanz“. Dies ist insofern ungewöhnlich, weil Bertolt Brecht keine Gedichte zum Totentanz explizit verfasste; jedoch tauchen bei Brecht immer wieder Motive des Totentanzes in den Gedichten auf.
Mit „Brechts Totentanz“ zeigen die Brüder Häfner eine neue Facette der fast 600-jährigen ikonographischen Tradition des Totentanzes. Interessant ist die Tatsache, dass das Thema in verschiedenen künstlerischen Disziplinen bearbeitet und mit der Poetik Bertolt Brechts verknüpft wird. So korrespondiert die tradierte Druckgrafik mit der neuen zeitgenössischen Kunst der Computergrafik und tritt dabei in einen spannungsreichen Dialog mit den archaischen Skulpturen in Holz und den impulsiven Plastiken in Metall.
Informationen über die Ausstellung „Brechts Totentanz“
Die Ausstellung ist gleichzeitig Werkschau eines gemeinsamen Projekts der Künstlerbrüder Guido & Johannes Häfner. Seit mehr als 3 Jahren setzen sie sich mit Leben und Werk des Dichters Bertolt Brecht und der Thematik des Totentanzes auseinander.
Das Ergebnis dieser Arbeit zeigt sich vielfältig in den künstlerischen Techniken und Ausdrucksformen. Das Thema wird in mehreren Disziplinen künstlerisch erprobt und sublimiert. Herausgekommen ist ein Gesamtkunstwerk mit Holz- und Stahlskulpturen, Künstlerbüchern, Druckgrafiken, Zeichnungen und Malereien.
Die Gedichte Bertolt Brechts sind der Auslöser, die Inspiration für die Entstehung der Arbeiten. Bertolt Brecht war sowohl vom Tod wie vom Leben besessen. In vielen seiner Gedichte ist diese Wesensart nicht nur erkennbar, sondern er löst dies immer wieder neu mit den künstlerischen Mitteln eines Dichters auf. So entsteht ein Kosmos von feinen Abstufungen zwischen Tod und Leben.
Über Guido Häfners Skulpturen
Guido Häfner konfrontiert archaische Skelettmenschen, grob mit der Kettensäge aus Holzstämmen herausgeformt, mit burlesken Archetypen. Sie sollen den Betrachter dazu ermuntern, jeden Tag mit Freude zu leben entsprechend dem Leitsatz: „Saufet und fresset heut, den morgen seid ihr des Lebens nit mehr gwiss“.
Zunächst begann er die Skulpturen filigran mit der Kettensäge aus Bergahornstämmen zu schnitzen. Signifkante appellative Gestalten entstanden.
Bald entdeckte er, dass das Holz der Mooreiche für seine künstlerische Intention in Bezug zu Brechts Totentanz am adäquatesten war.
Die Mooreiche ist ein Holz mit großer Ausstrahlung und einer sehr individuellen Persönlichkeit. Der Künstler muss mit dem Holz einen Dialog eröffnen können – nur dann ist er in der Lage das Innenleben nach außen zu kehren und so die Skulptur entstehen zu lassen.
Das verwendete Holz hat Guido Häfner eigenhändig in einem ehemaligen Sumpfgebiet in der Nähe von Bamberg geborgen. Aus den vielen dort ausgegrabenen Stammfragmenten können nur wenige tatsächlich verwendet werden. Die jedoch, die Guido Häfner für eine Skulptur auswählt, werden so wieder aus dem Jenseits in das Dieseits zurückgeholt und strahlen die Erhabenheit und Ruhe von 1000 und mehr Jahren aus.
Über Johannes Häfners Arbeiten
Johannes Häfner arbeitet unmittelbar mit der Sprache Bertolt Brechts. Gedichte werden zu Bestandteilen der Grafiken, und mittels komplexer Computergrafiken visualisiert und mystifiziert. Die Skelettmenschen, weiblich und männlich, treten interaktiv auf, balzen miteinander, lieben sich und vergessen, dass sie bereits tot sind.
Die Inspiration, die die Gedichte Bertolt Brechts auslösen und die Auseinandersetzung mit der europäischen Totentanzgeschichte ließen Johannes Häfner immer wieder neue bildnerische Mittel finden. Die Emotionalität des Themas, die Sprache und der Witz von Brechts Gedichten schaffen neue kreative Freiräume. So entstanden in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Künstlerbüchern in kleinsten Auflagen (max. 26 Exemplare), Unikatbücher, Grafik-Zyklen, Zeichnungen und Acrylbilder.
Die Grafikzyklen werden im Buchdruck (Korrex-Andruckpresse) und im Fine Art Print (Epson Stylus 7600) vom Künstler selbst gedruckt.
Die bevorzugten Druckgrafischen Techniken sind der klassische Hochdruck (Linolschnitt/Handsatz) und die noch sehr junge Computergrafik.
In den Bildern und Grafiken verbindet Johannes Häfner den hintersinnigen Humor von Brechts Gedichten mit dem skurril-burlesken des Totentanzes und die scheinbare Heiterkeit des irdischen Lebens miteinander, sodass der vordergründige Humor der Bilder die subtile Gesellschaftskritik dahinter versteckt.
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Neue Presse, Coburger Kunstverein, 8.2.5 / Bibliografie
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