Öffentlichkeit und Kultur der Geselligkeit Über diese dürren Fakten hinaus entstand rund um den Kaffeegenuss eine ganz spezifische Kultur an Öffentlichkeit und Geselligkeit. Das berühmte Kaffeehaus, aus dem Osmanischen Reich kommend, fasste bereits im 17. Jahrhundert in Europa Fuß: 1647 machte in Venedig das erste Kaffeehaus auf; im Reichsgebiet war es die deutsche Stadt Bremen; das erste der berühmten Wiener Kaffeehäuser eröffnete J. Diodato, der 1685 das Privileg zum Vertrieb erhielt. Seit dem 19. Jahrhundert entwickelten sich die Kaffeehäuser in allen großen Städten Europas zu Zentren kultureller, politischer und wirtschaftlicher Kontakte. Künstler und Intellektuelle fanden sich zu geselligen Treffen ein und diskutierten über Tages-ereignisse und Sportveranstaltungen ebenso wie sie gemeinsame Lektüre-Erfahrungen, philosophische, literarische und künstlerische Richtungen austauschten. Dieser gesellige öffentliche Diskurs in Kaffeehäusern über den bei allen hitzigen Debatten hinaus gemeinsam gepflegten Kaffeegenuss hinaus wirkte damals prägend und subversiv geradezu die Gesellschaft verändernd, während gegenwärtig nur noch der Geselligkeitscharakter die zentrale Rolle spielt. Copyright Friedhelm Auhuber